Ausnahmsweise falle ich heute aus meiner trottelhaften Tradition, meine Schweizbegebenheiten mit einem halben Jahr Verzögerung so zu schildern, als erlebte ich sie eben gerade, um Platz für eine brandaktuelle Durchsage zu schaffen. Oder so.
Nun bin ich also nach einem kurzen Zwischenspiel in der alten Welt (So leicht rechts vom Arlberg) wieder in der neuen Welt angekommen (Na? Genau, leicht links vom Arlberg). Das eine Ding heißt Wien, das andere Zürich, is aber auch egal, anfangen tun sowieso beide mit ABCDE…WXYZ. Aus der Perspektive betrachtet kommt einem die Schweiz dann auch gleich ein ganzes Stück mehr wie der Rest der Welt vor.
Weil ich meinen Kadaver aber zu so nachtschlafener Zeit hierherkatapultieren hab lassen, winkt mir natürlich hier überhaupt nix mehr zu. Außer Heidi in der Flughafen-U-Bahn. Macht aber auch gar nix, meine Blogzugriffsstatistik (ich schreib depperte Schachtelwörter jetzt nur mehr zusammen, ätsch!) passt unterm Türschlitz durch und meine Mitbewohner wollen um die Zeit auch nix mehr trinken gehen und sich dabei schlechte Witze über ihre Mütter anhören. Muss also mein imaginäres Publikum herhalten.
Weihnachten “daham” war jedenfalls superentspannt (so mit einem halben Tag Zeit zum Geschenkekaufen, nach der Ankunft- aber mit sowas rechnet man als Mann von Welt ja auch und ohne Schokolade aus der Schweiz zurückkommen is ja sowieso ein Frevel), von Köstlichkeiten durchzogen und vom süßesten Nichtstun seit Erfindung des Semesterabschlussprüfungsstresseseseses (nicht zutreffende “-es” bitte streichen).
Sylvester war “auch recht a liabe G’schicht” wie einer meiner Spezln so treffend irgendwen anderen zu zitieren pflegt und trug sich bei klirrender Kälte und absolut unzureichendem Schwipps auf einem Berg über Mödling zu, von wo aus man superromantisch stecknadelkopfgroße Feuerwerke anschauen und bei den Temperaturen bald schon nicht mehr prickelnden Sekt lutschen konnte.
Neujahrsvorsätze gabs wie immer keine- Hoitas, einen schon: Nächstes Jahr kann ich bitte auch bei einer Saukälte Sekt einschenken, ohne dass der Dreck übergeht und ich alles im Umkreis andrenz. Das is allein aus sicherheitstechnischen Gründen ein absolutes Muss, weil wenns wieder so kalt wird, rutscht noch wer aus und bricht sich was.
Die Tage danach waren geprägt vom Sichdavordrückenirgendwenanzurufenweilmansowiesokeinezeithat-wasvernünftigesanzureißenundbaldwiedergehenmuss- folglich also sehr beschaulich. Macht aber gar nix, Stress is sowieso Pfuideibl, sagt mein Therapeut… (Ha! Stimmt nicht. Aber es klingt schon deppert, wemma sich das so vorsagt. Notiz an mich selbst: Nicht therapierbar.)
Der Rückflug schließlich wieder eine kleine Sensation, aber wenn man die Strecke zum dritten Mal in einem halben Jahr unter sich lässt, darf man dann entspannt am Terminal lümmeln und sich über all die Menschen amüsieren, die hektisch ständig auf die Uhr linsen, es aber so unauffällig anstellen, dass man es eh nur merkt, weil man das selber schon zur Genüge geübt hat. Beim Aussteigen versuche ich dann noch, den Kurier kunstvoll in das Sitzlehnenfach vor mir zu stopfen, lasse es dann dem Personal zuliebe aber doch bleiben und staube stattdessen noch eine Kleinigkeit ab und wieder einmal steht fest: Das Ding, in dem das Ding liegt, das Wien heißt, ist eben anders.
